Awake And Alive von abgemeldet (SasuSaku | SakuSasu) ================================================================================ Kapitel 1: Preview Of Fairy Forest ---------------------------------- © E I N S Seine kleinen Patschhände umfassten mein Gesicht und zogen mich zu einem feuchtsüßen Kuss, der sich auf meine Lippen anfühlte wie gepresstes Zerdrücken. Die Gefühle seiner ehe zurückhaltende Haltung und die eigentlichen romantischen Gefühlen meinerseits waren sehr anders und hoch. Er spürte lediglich den Drang, kehrt zu machen, während ich mit roséfarbenen Bäckchen den Kuss, der leider schon vorüber war, weiterhin genießen wollte. Diese Emotion, die ich für ihn empfand, waren weitaus mehr als der Ebene der langen Freundschaft gewesen. Vielleicht war der Grund des Kusses von seiner Mutter, die nämlich darauf bestand, etwas zu gedankenlos gewesen, denn immerhin fühlten kleine Kinder anders als Erwachsene. Er wendete verlegen den Kopf zur Seite. Seine Scheue Art brache mich immer und wieder zum Schmunzeln. Er, Uchiha Sasuke, mein bester und vertrauenswürdiger Freund, war eigentlich noch nie in der Öffentlichkeit beschämt gewesen. Dies war wiederum einer der vielen Gründen, weshalb ich ihn mochte. Man hörte seine und meine Eltern laut lachen, als er eine beleidigte Schnute zog und die Arme vor der Brust verschränkte. Eine Geste, die er immer tat, wenn ihm etwas nicht im Konzept passte. Lediglich dies brachte mein Lächeln zu einem Kichern. Er war schon immer diese Art von Kind gewesen, das mich immer aufs Neue überraschte. Erst war er bockig, dann glücklich und dann urplötzlich wieder der Sasuke, den ich kennen lernen durfte. Sein Bruder tätschelte mit einem Lächeln sein schwarzes und zerwühltes Haar. Ich musste darüber noch mehr lachen, weil Sasukes Mundwinkeln immer wieder nach unten gezogen wurden, als sei das, was sein Bruder machte, ein fataler Fehler. Der Kuss von vorhin war eine Idee seiner Mutter gewesen. Sie bestand drauf, dass er mich küssen sollte. Wir waren in diesem Zeitpunkt zwar noch Kinder gewesen, aber es hinderte uns kaum daran, diese Bitte einzugehen und unsere Lippen scheu einander zu legen. Es war mein erster Kuss – und ich bereute es nicht, denn zum diesen Zeitpunkt wusste ich nämlich ganz genau, dass ich mehr als nur Freundschaft für ihn empfand. Und das war wiederum ein Gefühl, was ich allerdings bereute. Vieles in unserem Leben hatte sich dadurch geändert, aber ich werde niemals diese schönen und unzahlbaren Momente mit ihm vergessen. Jahre später … Weiß hing der Reif in der kuppelgleich geschwungenen Krone der Magnolie, eine makellose Konstruktion aus Eis. In der Stille der arktisch kalten Luft ächzte der Stamm unter ihrem Gewicht. Die Eisdecke über dem flachen Teich dampfte in der Wintersonne, und schmachtend dürstete ein einsamer Karpfen unter der bestäubten Oberfläche nach Luft. Mein bester Freund, Sasuke Uchiha, stand davor und bewunderte die Anmut dieses Luftschnappens, während jeder seiner eigenen Atemzüge ein Wölkchen formte, das in den Strahlen des Sonnenuntergangs kurz aufleuchtete und dann entschwand. Er steckte die Zigarette an, die er im Haus gerollt hatte, und sog das Nikotin tief in seine geschundene Kehle. Er ließ sich auf seiner Bank nieder, dahinter die blutroten schwer beladenen Erberesche. „Schon die sechste Zigarette heute“, sagte er zu niemandem und wandte sein regungsloses Gesicht auf dem Boden seiner Heimatstadt ab, das Augenscheinlich nicht sein Bedürfnis nach Entspannung befriedigt hatte. Ich stand direkt hinter ihm und konnte seinen Bewegungen tadellos zusehen. Vergeblich hatte er seine Sucht vom Rauchen immer noch nicht aufgehört. Vor zwei Jahren meinte er Mal zu mir, dass das eingeatmete Nikotin seiner Zigaretten ihn besänftigte und ihn ein besonders Gefühl gab, frei zu sein. Als Nichtraucherin wusste ich in diesen Moment nicht, was er in drei Teufelsnamen damit meinte. Mühelos schaffte ich es, einen handvollen Schneeball zu konstruieren. Mit der rechten Hand wippte ich die Kugel leicht und grinste schelmisch, ehe ich gezielt meinen besten Freund an der Hand traf und seine Zigarette augenblicklich Bekanntschaft mit den Boden machte. So schnell wie ich hingucken konnte, erntete ich bereits einen empörten Blick seinerseits, woraufhin ich nicht anders konnte, als zu lachen. Gut, es war nicht gerade nett gewesen, seinen besten Freund mitten bei seiner Ruhe zu stören, aber wenn man einen schrulligen Freund hatte, durfte man das. „Dein Ernst jetzt?“, fragte er rhetorisch und stand auf. Sasuke schüttelte seine getroffene Hand, um die restlichen Schneeresten zu entfernen, die bereits seine Hand eiskalt werden ließen. Ein weiterer Grund zu lachen. Während ich weiterhin amüsiert kicherte, verließ ein konsterniertes Schnauben die Kehle meiner männlichen Begleitung. „Du bist doch echt bescheuert.“ Glucksend hielt ich mir meine Hand vor dem Mund und konnte das minderwertige kalte Stoffteil meines dunkelroten Handschuhes auf die Lippen spüren. „Du hast es nicht anders verdient“, meinte ich unschuldig „Rauchen ist hier außerdem verboten.“ Er grunzte. „Wer bist du? Ordnungsamt?“ Mit den Augen rollen fiel ich um seinen Hals, woraufhin Sasuke überrascht einen kleinen Schritt nach hinten machte, weil er scheinbar nicht vorbereitet war, dass ich ihn plötzlich umarmte. „Nein. Aber deine beste Freundin, die deine Gesundheit schätzt und nicht möchte, dass du rauchst“, sagte ich und kraulte ihn am Nacken, was ihn innerlich seufzen ließ. „Hm. Du bist schlimmer als meine Mutter.“ Empört entfernte ich die Umarmung und besah Sasuke vor mir mit einem verdrossenen Blick. „Wie bitte? Vergleichst du mich gerade etwa mit deiner Mutter?“ Welches Mädchen mochte es auch schon, mit einer älteren Frau verglichen zu werden? Ich jedenfalls nicht. Ich sah, wie Sasukes linke Augenbraue nach oben wanderte. „Ich dachte, du magst meine Mutter und siehst in ihr dein Vorbild?“ „Ja, schon“, nuschelte ich. Nun, eigentlich war das ein indirektes Kompliment von Sasuke gewesen, das er nur gut gemeint hatte, aber trotzdem lieber anders formuliert hätte sollen. Ich sah in Mikoto Uchiha, eine herzallerliebste Frau mit dem besten Humor ausgestattet, schon als Idol, nur leider lag sie weitere Jahre mehr als ich – und das wurde mir eben mulmig. „Manchmal seid ihr Frauen wirklich …“ Er suchte das passende Wort dafür. Gut für ihn. Falls er etwas Falsches sagen sollte, würde ich ihn meine Antwort geigen. Meiner Meinung nach überlegte er sichtlich viel zu lange, was eigentlich gar nicht zu ihm passte. Sonst war er ein Junge, der schnell seine Antwort gab. Oder besser gesagt: kurzer Antwort … „Intelligent? Bezaubernd? Schlagfertig?“, schlug ich grinsend vor und versuchte dabei, ihn zu helfen, wobei sein Gesichtsausdruck kaum mit den Worten einverstanden war, als waren sie sogar die totalen Gegenteile gewesen. Sein Mundwinkel stieg hoch. „Eigentlich wollte ich nachtragend, schrullig und sensibel sagen“, erwiderte er, und ich musste deswegen unglaubwürdig lachen. „Ach ja? Das klingt aber mehr nach Uchiha Sasuke, findest du nicht?“, neckte ich ihn und schaffte es irgendwie, Sasuke in dröhnendes Gelächter zu bringen. Ein Schauer überkam mir. Sein Lachen war wahrlich wunderschön. Das Kichern verstummte, stattdessen lächelte er leicht. Seine Lippen waren ungewöhnlich voll für einen Jungen mit herben, maskulinen Zügen. „Wohl kaum. Seit wann war Uchiha Sasuke bitteschön nachtragend?“ Währenddessen Sasuke die Hände in die Hosentasche vergrub und mich erwartungsvoll ansah, tippte ich mit meinen Zeigefinger auf meinem Kinn und überlegte, wann der Idiot nachtragend war. „Ah, ich hab’s!“ Erfolgreich schnipste ich dumpf mit meinen Fingern vor sein verdattertes Gesicht. „Am Weihnachten!“ „Weihnachten?“ „Jupp“, bestätigte ich und nickte, um meine Antwort zu verstärken. „Da hatte Sasu seinem Bruder einmal übel genommen, weil dieser sein Keks aufgegessen hat.“ „Da war ich sechs!“, protestierte er sofort beleidigt. „Na und?“ Spielerisch zeigte ich Sasuke meine Zunge. „Einmal nachtragend, immer nachtragend! Von wegen, wir Frauen seien viel zu nachtragend. Wenn Uchiha Sasukes Bruder einmal sein Keks aufisst, mutiert er zum Baby.“ Er zwickte meine Nase, worauf ich sofort schmerzlich aufschrie und lachend versuchte, seine Hand wegzuklatschen. „Argh … hör auf, du Penner!“, sagte ich, immer noch am lachen. Hallelujah, war ich enthusiastisch drauf. „Beantworte erst meine nächste Frage.“ „Und die wäre?“ Stumm nahm er seine Hand wieder zu sich. Wahrscheinlich sah ich mit meiner geröteten Nase aus wie Rudolf. Fehlte jetzt nur noch, dass meine Nase leuchtete und ich fliegen konnte. „Warum hast du nochmals deine Haare gefärbt?“ … Was? „Ich sage doch: Uchiha Sasuke ist schrullig“, murmelte ich kaum hörbar. Das war wiederum eine Tatsache, die bewies, dass Männer tatsächlich Frauen nicht zuhörten. Vor einigen Monaten hatte ich ihm noch erklärt, weshalb ich meine Haare von blond zu rosa gefärbt hatte. „Das war eine ernste Frage, Sakura“, sagte er und ließ sich auf seiner Bank nieder, ehe er in seiner Jackentasche nach seiner Zigarettenschachtel griff und danach eine weiße Stange raus nahm. Stöhnend ließ ich mich gelangweilt neben ihm nieder und beobachtete, wie er seine Zigarette in den Mund steckte und es anzündete. Sofort stieg mir der Geruch von Nikotin in die Nase, woraufhin ich mein Gesicht verzog. „Ich habe meine Haare in rosa gefärbt, weil ich mich von den Mitläufern fern halten wollte. Mit anderen Worten: ich wollte anders sein. Einfach einzigartig zu werden, ohne billig rüber zu kommen. Verstehst du es jetzt?“, erklärte ich ruhig und sah ihn gespannt an. Er blies den Rauch raus und sog danach abermals. „Ich denke schon“, sagte er etwas brüchig und blies nochmals das Nikotin raus, während ich meine Hand vors Gesicht wedelte, um den Gestank nicht ganz in meiner Nasengegend zu haben. Plötzlich stieg mir die Röte ins Gesicht, als Sasuke mich eindringlich musterte. Waren seine Augen eigentlich schon immer so … Ich weiß nicht genau. Erotisch? „Siehst jetzt aus wie eine Waldfee“, gluckste er und kassierte prompt ein Seitenhieb meiner Wenigkeit. „Haha, sehr witzig“, grummelte ich bockig und verschränkte meine Arme vor der Brust. Hallo? Was fiel ihm überhaupt ein, mich als Waldfee zu bezeichnen? Dummer Idiot. „Das kriegst du irgendwann noch zurück, verlass dich drauf!“ „Deine Drohungen sind süß“, meinte er trocken und sog an seiner Zigarette. „… genauso wie du.“ Halt. Stopp. Hatte Uchiha Sasuke, der schrullige, nachtragende und sensibler Bursche, gesagt, ich sei süß? Scheiße. Nein. Never. Da stimmte doch was nicht! Seit wann machte er bitteschön Komplimente, die einer Frau galt und nicht sich selbst? „Ähh …“ Ich war sprachlos. Seit achtzehn Jahren hatte er niemals zu mir auch nur in entfernsteten gesagt, dass ich süß sei. Okay, außer Beleidigungen kam sowieso nichts aus seinem Mund raus, aber ein Kompliment von ihm zu hören, war wirklich das schönste auf dieser Welt. „Danke …“, murmelte ich, leise und ein wenig verständlich. Oh Gott, die verdammten Röten sind wieder um meine Nase geschlichen. Man hörte ihn leise lachen. „Ihr Frauen flippt ja buchstäblich aus, wenn man euch einen indirekten Kompliment macht“, sagte er und schnipste den kleinen Stummel um sein Zeigefinger und Daumen weg. Klang er eigentlich schon immer so rau? „Ich flippe nicht aus“, rechtfertigte ich mich, was eigentlich total gelogen war. Natürlich flippte ich aus, wenn der Junge, den ich liebte, mir sagte, dass ich süß sei. „Es ist nur ungewöhnlich, dich so reden zu hören …“ „Hm? Warum? Gefällt dir das etwa nicht?“ Meine Wangen glühten. „Doch, also … Ja … nein. Ich meine … Also …“ Ich zog das letzte Wort in die Länge und brach permanent den Augenkontakt ab, weil es mir nur noch nervöser machte, standhaft zu sein. Sein widerfälliges Grinsen konnte ich regelrecht auf meiner Haut spüren. „Ach halt doch den Mund“, brummte ich. Sasuke verdrehte belustigt die Augen und grinste. „Dir gefällt das also. War mir klar.“ „Hö, gar nicht wahr!“ Er fasste mich am Handgelenk und zog mich näher zu sich. „Wie auch immer“, sagte er nonchalant, „ich habe dich gestern angerufen. Wieso bist du nicht dran gegangen? Für ein Mann habe ich dich sogar öfters angerufen als eine Frau.“ Ach hatte er? War mir ja gar nicht aufgefallen, vor allem nicht, als er mir kacken früh eine Nachricht schickte, weshalb ich ihn nicht antwortete oder anrief. Manchmal konnte der Idiot auch wirklich süß sein, wenn er wollte. „Aw, tut mir leid. Meine Mutter und ich hatten eine kleine Diskussion gehabt. Zu Strafe, weil ich ihre Bedingung nicht eingegangen bin, hatte sie mir mein Handy weggenommen, bevor ich dich anrufen konnte“, erklärte ich. „… im Klartext?“ Ich seufzte. „Ich wollte mir ein Zungenpiercing stechen lassen, aber meine Mutter war strikt dagegen. Sie meinte, ich würde an Essen hängen bleiben oder könnte die Kugel hinunterschlucken und mich dran ersticken lassen.“ Genervt verdrehte ich die Augen. Oh ja, so kannten wir unsere Mütter. Führsorglich wie eh und je. Bildete ich mir das wirklich nur ein, oder konnte ich Sasuke gerade schlucken hören? „Du … du willst dir ein Zungenpiercing stechen lassen? Einen echten?“ Meine linke Augenbraue wanderte hoch. „Ja?“, antwortete ich, als wäre das offensichtlich gewesen. „Warum bist du jetzt so überrascht? Das habe ich dir doch bereits letzte Woche erzählt, Idiot.“ Sasuke raufte sich die Haare und seufzte ergebest. „Sakura, wenn ein Junge in diesen Moment Fifa spielt, dann nimmt er die Umgebung um sich herum nicht mehr wahr“, erklärte er und besah mich mit einem undefinierbaren Blick. „Du willst das wirklich tun, oder?“ „Korrekt.“ Er schnaubte. „Du bist wirklich einzigartig.“ „Ich weiß“, stimme ich ein und stand von der Bank auf, wobei ich den fragenden Blick von meinem besten Freund deutlich spürte. Schalkhaft zierte sich ein Grinsen um meine vollen Lippen, ehe ich mich hinunter beugte und meinen besten Freund scharfsinnig beobachtete. „Und zwar jetzt.“ „Wie jetzt?“ „Na was wohl?“ Ich stemmte die Hände in die Hüfte. „Ich werde zum Piercer gehen und mir mein Zungenpiercing stechen lassen – und du wirst mitkommen. Ich möchte da nicht alleine hingehen, wenn ich plötzlich wegen des Stichs Schmerzen bekomme. Dafür brauche ich deine Hand, um sie feste zu drücken.“ Sasuke grinste. „Hat Haruno Sakura etwa Angst?“ Obwohl das eigentlich ein Witz sein sollte, lag er goldrichtig. Ich hatte in diesen Moment tatsächlich Angst gehabt. Dafür brauchte ich einfach Sasuke, um den Schmerz unterdrücken zu können und stark zu bleiben. Irgendwie konnte ich das nur, wenn er bei mir war. Ich nickte und sah, wie Sasuke seufzend aufstand und meine Haare verwühlte. „Na dann. Ab zum Piercer …“ Mein Gesicht erhellte sich. Vor Freude konnte ich es kaum beschreiben, was ich da empfand. „Echt jetzt?“ „Sakura, du wirst mich so oder so nerven, bis ich zustimme. Was anderes bleibt mir wohl nichts übrig.“ Sasuke schrie urplötzlich auf, als ich um seinen Hals fiel und ihn mit meinen Dankesreden zubombardierte, bis wir beide lachend auf den Boden landeten und die Mitmenschen um uns herum nicht mehr länger beachteten. - ʚɞ - Aufgeregt knetete ich meine bereits verschwitzten Hände und besah den attraktiven Piercer vor mir mit einem erwartungsvollen Blick, während dieser seine engen Gummihandschuhe anzog und einen Trockentuch griffbereit in der rechten Hand hielt. „Ist das dein erstes Piercing?“, fragte er lächelnd. Er setzte sich an seinem kleinen, blauen Drehstuhl und rückte näher zu mir heran, sodass er mit Leichtigkeit mein Kinn in Augenhöhe stellte, woraufhin ich leicht mit den Kopf nickte und ihn bei seiner Tätigkeit nervös beobachtete. Ein amüsiertes Lachen verließ seine Kehle. „Du brauchst nicht nervös zu sein, Sakura. Ich werde ganz vorsichtig sein, versprochen. Und jetzt mach brav den Mund auf, damit ich deine Speichel mit den Tuch einsaugen kann. Ich möchte nicht, dass du meine Hand voll sabberst.“ Ich lachte kurz und tat wie geheißen, wobei ich Sasukes verpufften Gesichtsausdruck wahrnehmen konnte. Scheinbar war ihm erneut ergangen, dass ich Yahiko Ame durch seine feste Freundin kannte und sie mir empfahl, bei ihm mein heiß gesehntes Zungenpiercing stechen zu lassen. Sie meinte, dass er ganz sanft mit seinen Kunden umging und kein Schmerz durchdringen ließ, jedenfalls nicht so, dass es schon zu schmerzhaft sein würde. Und außerdem war er total gut aussehend. Als er endlich fertig war, schmiss er das benutzte Tuch im Mülleimer und markierte meine Zunge zunächst die Ein- und Ausstichstelle, bevor er die Klemmstange nahm und meine Zunge nach oben beförderte. „Es wird nur ein kleiner Stich sein. Erschreck dich jetzt nicht“, warnte er mich, ehe ich auch schon überrascht den periphere Venenkatheter deutlich spürte und die Augen vor Schreck zusammenkniff. In diesen Moment müsste ich jetzt total bescheuert aussehen, so einen Venenkatheter durch die Zunge gestochen zu bekommen. Yahiko schneidete mit einer silbernen Schere den unteren Teil des Venenkatheters ab und entfernte vorsichtig die Klemmzange, bevor ich auch schon beruhigt die Zunge spielen ließ und wegen Sasukes verzogenem Gesicht grinsen musste. Vor breitem Grinsen lief mir ein Speicheltropfen aus meiner Zungenspitze hinunter auf dem Boden. Der Mann mit orangefarbenem Haar, das herrlich in allen Richtungen abstand, steckte mit einem silberähnlichen Innengewinde durch den unteren Teil meiner Zunge und schraubte behutsam den Barbell im oberen- und unteren Bereich des Organs zu. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht nahm er seine Hände wieder zu sich und überreichte mir schlussendlich einen kleinen Becher mit grüner Flüssigkeit. „Nicht trinken. Bloß abspülen lassen.“ Angeekelt spülte ich die grässlich schmeckende Flüssigkeit gründlich in meinem Mund und spuckte sie schlussendlich auf einem nahe stehenden Spülbecken raus, worauf ich erstaunt feststellte, doch keinen großartigen Schmerz zu spüren. Es brannte lediglich etwas wegen der Flüssigkeit. Was ich im Raum hörte, war erneut seine schöne Lache, die selbst ein Zahnarzt zum Lächeln gebracht hätte. Zum einen konnte ich Konan sehr gut verstehen, weshalb sie auf solche Männer abfuhr, zum einen wiederum nicht. Yahiko war, meiner Meinung nach, zu viel gepierst. Er besaß von Augenbrauenpiercing bis hin zum … Na ja, so genau wusste ich das jetzt auch nicht, aber viele Piercings besaß er auf jeden Fall. „So, Sakura“, sagte er und stand von dem Drehstuhl auf. „Da du ein frisches Zungenpiercing hast, sind dir sämtliche säuerliche Früchte und Fruchtsäfte für drei bis sechs Wochen untersagt, sowie Alkohol und Nikotin. Die Nahrungsaufnahme ist während der ersten Tage oft schmerzhaft, daher trink sehr viel Wasser. Fass dein Piercing außerdem mit sauberen Händen an, weil du sonst eine Infektion hervorrufen kannst“, erklärte er vornehmlich zu mir deutend, während er Sasuke und mir aufdringliche Blicke zuwarf. „… und Oralverkehr gehört auch verboten.“ „Wah, du Perverser!“, schrie ich mit wild pochendem Herz, während mein bester Freund konsterniert schnaubte und den Kopf zur Seite drehte. Ich könnte schwören, dass ich Röte um seine Nase entdeckt hatte. Würde mein Gesicht noch rötlicher werden, würde ich beinahe einer Tomate Konkurrenz machen. Lachend nahm er die Hände vors Gesicht. „Beruhig dich, Sakura. Das war nur ein kleiner Scherz am Rande. Immerhin spürst du kein Schmerz und kannst sogar problemlos schreien. Hut ab, das schaffen nicht viele.“ „Sie ist prüde“, erwiderte Sasuke locker und kassierte augenblicklich einen finsteren Blick meiner Wenigkeit, die er jedoch gut einstecken konnte. Er ergriff sich meine Jacke und schmiss sie mir auf dem Kopf, bevor ich aber zur Salzsäure erstarrt war. „Ich bin nicht prüde“, rechtfertigte ich mich kleinlaut und zog mir meine rote Winterjacke an, ehe ich aus meiner Tasche meinen topazbrauen Portemonnaie das entsprechende Geld Yahiko gab und mich dann verabschied. Vor der Ausgangstür spielte ich die ganze Zeit mit meinem lang ersehnten, frischen Zungenpiercing. Es machte mir unglaublichen Spaß, besonders wenn es auf den Zähnen klirrte und Sasuke mir deswegen jedes Mal einen Seitenblick zuwarf. „Kannst du damit endlich aufhören?“, knurrte er. „Grenzt schon beinahe an Wunder, dass du deswegen kein Schmerz spürst. Warum bin ich dann mitgekommen?“ „Weil du mein bester Freund bist und immer bei einzigartigen Momenten dabei sein musst“, sagte ich grinsend und streckte ihn neckend meine Zunge raus. Sasuke grunzte beim Laufen. „Also soll ich auch bei deinem ersten Mal dabei sein, ja?“ „Oh mein Gott, hör auf, du Idiot!“ Lachend schlug ich ihn auf die Schulter, was ihm ein kleines Lächeln aufs Gesicht schlichen ließ. „Mann, warum musst du eigentlich jedes Mal auf die Kacke hauen, wenn ich versuche –“ „… bescheuert zu sein?“ Kraftvoll erntete der Blödmann einen Seitenhieb, worauf er an dessen Stelle rieb und sein rechtes Auge zukniff. Anscheinen war ihm klar geworden, dass er nicht noch einmal solche Bemerkungen geben sollte. „Warum hast du mich gestern eigentlich angerufen, Sasuke?“ Sichtlich über das Themenwechsel verwundert, zuckte er lediglich mit den Schultern und vergrub danach die Hände in die Hosentasche. „Keine Ahnung. Habe keine Freunde.“ „Och, Sasuke“, sagte ich lachend, „bleib gefälligst ernst.“ Er leckte sich die Lippen. „Ich bin immer ernst, Sakura“, sagte er in einem Tonfall, was mein Herz viel schneller pochen ließ, dass ich schon das Rauschen bereits gegen meine Ohren hörte. Und als er mich dann erwartungsvoll ansah, stoppte mir erst Recht der Atem. „Bock zu mir zu kommen?“ Ich blinzelte. „Äh, klar. Wieso nicht?“, sagte ich nervös achselzuckend und bekam einen fragenden Blick seinerseits zugeworfen, den ich mir selbst nicht erklären konnte, weil ich schon öfters bei Sasuke war und kein Scharm fühlte. Nun, Gefühle werden nun mal stärker. - ʚɞ - „Dreckspiel! Und dafür habe ich Geld bezahlt?“ Wütend schmiss ich meinen Joystick beiseite und machte mich stattdessen auf Sasukes Bett gemütlich, während jener kopfschüttelnd auf Pause drückte und sich neben mir gemütlich machte. Dass er mir dabei unwillkürlich näher kam, ließen meine glühenden Wangen nicht leugnen. Er grunzte. „Was heißt denn hier dein Geld? Das meiste habe ich bezahlt.“ Ich vergrub mein Gesicht an seinem cremefarbenen Kissen. „Ja, weil du auch die Playstation haben wolltest und ich die Xbox-One. Natürlich gebe ich dann das meiste Geld für die blöde Konsole nicht her. Letzteres ist nämlich besser“, fauchte ich sauer in sein Kopfkissen hinein, um eigentlich meine Röte vor ihm verstecken zu können. Sasuke strich mir zärtlich ein paar rosa Strähne hinters Ohr. „Zeig mir mal dein Piercing“, bat er mich. „Hm?“ Perplex entfernte ich mich von seinem bequemen Kissen und sah ihn an. „Welches meinst du? Etwa mein Intimpiercing?“ Schnaubend brach ich den Blickkontakt ab. „Ich bin müde, keine Lust jetzt.“ Stöhnend zwickte er mir an den Seiten, worauf ich quiekend versuchte, seine Hand wegzuklatschen. „Lass das, du Penner. Das tut sau weh!“ „Ach, von Zwicken kannst du Schmerzen haben, aber wenn man dir in der Zunge sticht, kannst du kein Schmerz empfinden? Bist du sicher, dass es dir gut geht?“, stellte er unglaubwürdig die Frage. „Das ist nicht dasselbe“, sagte ich. „Zwicken tut mehr weh.“ Ein langes Seufzen verließ seine Lippen, ehe er mir feste in die Augen sah und den Blick nicht abbrechen wollte. „Ich habe dich angerufen, weil ich deine Stimme hören wollte“, sagte er auf einmal leise und zog mich in einer sanften Umarmung. Er vergrub sein Gesicht an meiner Halsbeuge und strich mir total zärtlich an den Seiten entlang, genau dort, wo er mich vorhin gekniffen hatte. Ich konnte nicht leugnen, dass mir diese Umarmung mehr als gefiel. Manchmal konnte er so zärtlich sein, wenn er wollte. Beim Spüren seines normal klopfenden Herzschlages und der ruhige Atemluft seinerseits, strich ich behutsam seine schwarze Haarpracht, die sich auf meine Fingerkuppen weich wie Watte anfühlte. So mochte ich es, die Zeit mit ihm so zu verbringen und einfach gemeinsam an seinem Bett zu kuscheln, auch wenn wir beide ganz genau wussten, dass das eine rein platonische Liebe war. Aber es schmerzte mir sehr, diese Sache einzugestehen. Schöner wäre es, für immer an seiner Seite bleiben zu dürfen; dieses Gefühl, dass ich bei ihm sein darf; ein Teil von ihm sein darf … Das wollte ich. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)